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So gut mit einerseits dieses Jahr schon getan hat – ich muss zugeben: Weltschmerz is real dieses Jahr. Es ist auch für mich manchmal nicht ganz einfach, mich von all dem Leid auf der Welt abzugrenzen und mich gleichzeitig aber auch selbst nicht mit dem Gefühl zu überfordern „Ich muss doch etwas tun können!“. In den letzten Wochen habe ich mich intensiv damit auseinandergesetzt, wie ich eine gesunde Balance zwischen Aktivismus, Mitgefühl und gleichzeitig auch Abgrenzung in meinem Leben etablieren kann. Und ich habe mir oft die Frage gestellt: Darf es mir überhaupt gut gehen, wenn andere leiden müssen?

In diesem Blogpost möchte ich dir also 5 Tipps geben gegen Weltschmerz und wie du es schaffst eine Balance auch in deinem Leben zu finden. 

Konsumiere Nachrichten bewusst und achtsam

Für mich ist eines der größten Probleme in der Spiri-Szene bzw. in der Szene der Persönlichkeitsentwicklung, das ganz oft empfohlen wird, dass man keine Nachrichten mehr konsumieren soll. Ich persönlich möchte das für mich nicht so handhaben, denn ich finde es wichtig darüber informiert zu sein, was alles auf der Welt passiert. Natürlich ist es nicht schön zu lesen oder zu hören, wenn andere Menschen leiden, aber mit Wegsehen ist niemandem geholfen – und wenn jeder nur noch wegsieht, wird sich gar nichts mehr verändern.

Was für mich am Besten funktioniert ist, wenn ich Nachrichten bewusst und achtsam konsumieren. Also zum Beispiel zu einem bestimmten Zeitraum am Tag oder in der Woche. Ich habe nämlich bei mir selbst festgestellt, wenn ich keine festen Zeiten dafür habe, dann checke ich immer mal wieder unter dem Tag was so passiert und fühle mich dadurch nicht nur abgelenkt, sondern natürlich auch schlecht. Dabei ändert es erst mal nichts, ob ich mich einmal am Tag bewusst informiere oder über den ganzen Tag verteilt verschiedene Informationen aufsauge. Der einzige Unterschied ist, dass ich durch die zweitere Version eher reizüberflutet werde. 

Außerdem finde ich es wichtig zwischen wichtigen und unwichtigen Nachrichten zu unterscheiden. Ein gutes Bespiel dafür ist Corona. Musst du WIRKLICH täglich wissen, wie die wissenschaftliche Lage ist, wie viele Infizierte wir haben oder worüber sich gerade wieder die Geister scheiden? Mit diesen Informationen kannst du wahrscheinlich erstmal nur wenig anfangen, vielleicht machen dir solche Artikel aber auch Angst und du fütterst dein Unterbewusstsein jedes Mal mit etwas Negativem dadurch. Ich sage also: Ja, bitte schau nicht weg und informiere dich über das was auf der Welt passiert, ABER mache das bewusst und achte dabei darauf, dass es für dich keine Reizüberflutung gibt. 

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst

Weltschmerz geht oft mit dem Gefühl von Hilflosigkeit und Überforderung einher. So dass man dann denkt: „Was soll ICH denn schon machen, das bringt alles nichts!“ Ich hatte das jüngst auch mit der Rassismus Debatte: „Wie soll man nur die vielen Menschen ändern, die sich sowieso nichts sagen lassen und davon überzeugt sind, dass es keinen Rassismus in Deutschland gibt? Wie soll ich so viel Gegenwind standhalten?“ So geht es Klimaaktivisten, Veganern und so vielen anderen Menschen, die versuchen Gutes zu bewirken. Sie haben das Gefühl sie kommen gegen die breite Masse gar nicht an, die einfach unbelehrbar zu sein scheint.

Ich glaube, dass es tatsächlich unglaublich schwierig oder eigentlich fast nicht möglich ist einen Menschen zu verändern. Es muss von ihm oder ihr selbst aus kommen. Aber gleichzeitig sage ich dir: Alles was du tun kannst ist mit bestem Beispiel voran gehen. Sei du selbst die Veränderung, die du dir auf der Welt wünschst. 

Du weißt einfach nie, wen du von deinen Werten überzeugst, einfach weil du sie vorlebst und darüber sprichst. Und ich glaube das ist auch ein wichtiger Punkt: Tue Gutes und sprich darüber.

Erde dich wieder mit positiven Gefühlen

Etwas, dass ich dieses Jahr auch wieder lernen durfte: Ja, es passiert viel Schlechtes auf der Welt – aber es passiert auch viel Gutes. Und wie gesagt: Es geht mir nicht ums „Schönreden“ oder „Wegsehen“ – ich möchte einfach dafür sensibilisieren, dass es auch schöne Dinge gibt, die auf der Welt passieren und für die wir dankbar sein können.

Mir persönlich hilft es ungemein mich daran zu erinnern und auch optimistisch in die Zukunft zu blicken. Zum Beispiel zu sehen: Vielleicht verändert sich jetzt WIRKLICH etwas. Vielleicht hat es diesen oder jenen Schmerzpunkt gebraucht, damit es nun anders werden kann. 

Überfordere dich nicht, wenn du etwas Gutes tun möchtest

Erstens möchte ich dir sagen, dass es ganz wunderbar ist, wenn du viel Veränderung in der Welt angehen willst. Es gibt eben viele Probleme und Ungerechtigkeiten auf der Welt, ja. Und wenn wir wieder nach dem Grundsatz gehen, dass du selbst die Veränderung sein solltest, die du dir für die Welt wünschst, fängt es ja bei dir alleine an. Du kannst also sehr wohl etwas tun, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Das sind die guten Nachrichten. Die schlechte Nachricht ist: Es ist unglaublich leicht sich in all dem Leid zu verlieren, sich wie betäubt zu fühlen und dann doch nichts zu machen, weil alles aussichtslos scheint. Bitte behalte einen klaren Kopf.  Ich möchte dir ans Herz legen, dass du dich darauf konzentrierst eine Sache nach der anderen zu verändern.  Du kannst dich fragen: Was ist dir gerade am wichtigsten? Was fühlt sich für dich gerade von Bedeutung an? Fang hier an – und nur hier. 

Und in diesem Sinne möchte ich uns alle nochmal dazu anhalten Menschen weniger zu verurteilen. Vielleicht isst jemand Fleisch, aber du weißt nicht für welchen anderen Bereich er sich stark macht. Vielleicht geht jemand nicht auf Demos, weil er Angst vor Menschenmassen hat, aber spendet regelmäßig etwas. Vielleicht macht sich jemand stark für etwas, das DIR gerade weniger wichtig scheint, aber denk daran… Vielleicht ist es für diese Person gerade das Wichtigste auf der Welt. Das ist die Sache mit den Veganern, wenn sie sich für Tierschutz aussprechen und Menschen, die einfach NICHTS für die Umwelt tun, sagen: „Und was ist mit deiner Kosmetik???“. Das bringt doch keinen weiter und: die Person tut wenigstens etwas. Bitte lasst uns alle weniger voreingenommen sein und bei uns selbst anfangen.

Bitte denk immer daran: Kleine Schritte zu gehen ist besser als Stillstand. 

Kommen wir nun zum meiner Meinung nach größten Weltschmerz-Mindfuck, den es gibt, nämlich die Frage: Darf es mir überhaupt gut gehen, wenn so viele Menschen, Tiere und auch unsere Umwelt leiden?

Ich gebe es ehrlich zu: an manchen Tagen wird der Weltschmerz so schlimm, dass ich mich nur in meinem Bett verkriechen kann und ich mich hilflos, überfordert und einfach traurig fühle. Was mache ich an solchen Tagen? Ich lasse es zu. Ich unterdrücke keine Gefühle, sondern erlaube mir mit zu fühlen. ABER – wir stellen uns vor der Weltschmerz würde nicht nur einen Tag so präsent sein, sondern 3 Tage oder 5 Tage oder einfach ständig? Dann würde ich mich ständig wie gelähmt fühlen und NICHTS mehr machen.

Mitgefühl ist wichtig, denn nur durch Mitgefühl sind wir ja bereit etwas zu ändern. Aber wir brauchen auch genügend Ressourcen, um etwas zu verändern. Wenn wir nur im Bett liegen und es uns schlecht geht, dann dreht die Welt sich weiter, aber wir haben keinerlei Einfluss. Erst wenn wir rausgehen und die Veränderung leben, die wir uns wünschen, können wir Veränderung bewirken. Einerseits durch unsere eigenen Taten und andererseits dadurch, dass wir andere Menschen inspirieren es uns gleich zu tun. 

Um also die Frage zu beantworten: JA, es darf dir gut gehen. Ja, du darfst glücklich sein und dir deine Träume verwirklichen. Aber reflektiere dabei deine Privilegien und vergiss nicht etwas zurückzugeben. Ich denke mir bei mir persönlich dann gerne: Dadurch, dass ich erfolgreich selbstständig bin und mein eigenes Online Business aufgebaut habe, kann ich doch erst etwas zurückgeben. Ich kann Teile meiner Coaching Einnahmen spenden. Ich kann in meiner Community auf wichtige Themen aufmerksam machen. Ich kann meine Reichweite nutzen. Ich kann inspirieren. Und wer weiß, was dadurch wieder ausgelöst wird?

Ich hatte eine Zeit lang wirklich ein schlechtes Gewissen, wenn es mir zu gut ging, weil es so viel Leid gibt. Aber wenn ich in meiner Energie bin, kann ich viel mehr Gutes tun, als wenn ich mich nur zu Hause verkrieche und unglücklich bin. Oder mit anderen Worten: Wem ist denn wirklich geholfen, wenn du aus deinem Weltschmerz nicht mehr rauskommst? Richtig: Niemandem. 

Es ist etwas Wunderbares, dass du so mitfühlend bist und etwas auf der Welt verändern möchtest. Bitte achte nur dabei auf deine Ressourcen wie Zeit und Energie und verwandle dein Mitgefühl dann in Aktionen.  

Was denkst du über das Thema Weltschmerz und wie gehst du damit um?